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Residenzen für mehrere Generationen: Nachbarschaft statt Isolation

In einer résidence intergénérationnelle leben selbstständige Senioren, junge Familien, Studierende und Alleinstehende Tür an Tür. Gemeinschaftsräume und ein Moderator fördern Begegnung und gegenseitige Hilfe. Dieser Ratgeber erklärt das französische Modell und vergleicht es mit Angeboten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Residenzen für mehrere Generationen: Nachbarschaft statt Isolation

Was ist eine Mehrgenerationenresidenz?

Eine résidence intergénérationnelle ist eine Wohnanlage, in der bewusst Haushalte unterschiedlichen Alters zusammengebracht werden. Jeder bewohnt eine eigene, abgeschlossene Wohnung mit eigenem Mietvertrag. Ergänzt wird das Wohnen durch Gemeinschaftsräume, einen Garten oder eine Werkstatt, die für gemeinsame Aktivitäten offenstehen.

Im Unterschied zum generationenübergreifenden Zusammenwohnen in einer einzigen Wohnung behält hier jeder Haushalt seine volle Privatsphäre. Der Kontakt entsteht im Treppenhaus, bei Festen oder in Projekten. Die Idee dahinter ist eine lebendige Nachbarschaft, in der sich Generationen im Alltag selbstverständlich gegenseitig unterstützen.

Zielgruppe auf Seiten der Senioren

Angesprochen werden ältere Menschen, die selbstständig leben können und Wert auf Kontakt zu Jüngeren legen. Viele möchten nicht in eine reine Seniorenanlage ziehen, weil sie dort ein zu homogenes Umfeld befürchten. Andere suchen nach einer Trennung oder Verwitwung schlicht ein lebendigeres Umfeld.

Besonders geeignet ist die Wohnform für Menschen, die sich einbringen möchten, etwa als Lesepaten, Gärtner oder Organisatoren von Treffen. Wer vor allem Ruhe sucht oder bereits einen hohen Pflegebedarf hat, ist in einer spezialisierten Einrichtung meist besser aufgehoben als in einem bunten, oft lauteren Wohnprojekt.

Organisation, Träger und Moderation

In Frankreich stehen hinter solchen Residenzen häufig Sozialvermieter, Gemeinden oder Vereine, seltener private Investoren. Sie reservieren einen Teil der Wohnungen für Senioren, den anderen Teil für Familien, Studierende oder junge Berufstätige. Manche Projekte verbinden zudem eine Kinderkrippe oder ein Café mit dem Wohnbereich.

Zentral ist die Person, die das Zusammenleben moderiert. Sie organisiert Veranstaltungen, vermittelt bei Konflikten, unterstützt bei Behördengängen und knüpft Kontakte zu sozialen Diensten. Ohne diese Moderation bleibt die Mehrgenerationenidee oft nur ein Etikett, und die Bewohner leben nebeneinander statt miteinander.

Viele Träger lassen neue Mieter eine Charta des guten Zusammenlebens unterschreiben. Darin verpflichten sich die Haushalte, an einigen gemeinsamen Aktionen teilzunehmen oder kleine Hilfen anzubieten. Rechtlich ist diese Charta meist nicht einklagbar, sie schafft aber eine gemeinsame Grundhaltung für alle Generationen im Haus.

Mieten, Wohngeld und Hilfen

Da viele Projekte im sozialen Wohnungsbau angesiedelt sind, gelten Einkommensgrenzen und regulierte Mieten. Bewohner können je nach Situation Wohngeld bei der CAF beantragen. Für Senioren mit Pflegebedarf bleibt die APA wie in jeder anderen Privatwohnung zugänglich, ebenso externe Pflegedienste.

Hinzu kommen manchmal geringe Beiträge für Gemeinschaftsräume oder Aktivitäten. Projekte, die als habitat inclusif anerkannt sind, können zusätzlich eine Förderung für das gemeinsame Leben erhalten. Die Kosten liegen in der Regel deutlich unter denen privater Servicewohnanlagen, die auf ältere Menschen spezialisiert sind.

Mehrgenerationenwohnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland gibt es zahlreiche Mehrgenerationen-Wohnprojekte, oft als Genossenschaft oder Baugemeinschaft organisiert. Daneben fördert der Bund Mehrgenerationenhäuser, die allerdings Begegnungsstätten und keine Wohnanlagen sind. Wer gemeinsam wohnen möchte, sucht daher eher bei Genossenschaften, Wohnungsbaugesellschaften oder Netzwerken für gemeinschaftliches Wohnen.

In Österreich entstehen generationenübergreifende Projekte häufig im geförderten Wohnbau, etwa in Wien. In der Schweiz sind Genossenschaften Vorreiter, viele Siedlungen kombinieren Alterswohnungen mit Familienwohnungen und Gemeinschaftsräumen. Das französische Modell unterscheidet sich vor allem durch die feste Quote für Senioren und die professionelle Moderation.

Für deutschsprachige Senioren, die nach Frankreich ziehen, kann eine solche Residenz den Start erleichtern. Nachbarn unterschiedlichen Alters helfen bei Sprache, Formularen und Technik, während die Senioren Zeit, Erfahrung und Kinderbetreuung einbringen. So entsteht schneller ein soziales Netz als in einer anonymen Mietwohnung.

Bewerbung für eine französische Residenz

EU- und Schweizer Bürger können sich wie Einheimische bewerben, sofern sie einen Wohnsitz in Frankreich begründen. Für Sozialwohnungen ist eine Registrierung als Wohnungssuchender erforderlich, die eine Antragsnummer erzeugt. Die Krankenversicherung von Rentnern läuft in der Regel über das Formular S1.

  1. Projekte in der Wunschregion über Rathaus oder Sozialvermieter finden
  2. Antrag auf eine Sozialwohnung stellen, falls das Projekt dazu gehört
  3. Charta des Zusammenlebens lesen und Fragen klären
  4. Besichtigung mit Gespräch beim Moderator vereinbaren
  5. Nach Zusage Wohngeld bei der CAF beantragen

Vergleich verwandter Wohnformen

Die folgende Übersicht hilft, die Mehrgenerationenresidenz gegenüber anderen Modellen einzuordnen. Sie zeigt, dass der Grad an Privatsphäre und die Art der gegenseitigen Unterstützung sich deutlich voneinander unterscheiden, auch wenn alle Formen die Begegnung von Jung und Alt fördern.

ModellWohnsituationGegenseitige HilfeBetreuung
Résidence intergénérationnelleEigene WohnungFreiwillig, moderiertExterne Dienste
Wohnen für HilfeZimmer bei SeniorenVereinbartKeine
SeniorenresidenzEigene WohnungUnter SeniorenJe nach Haus
Mehrgenerationenhaus (DE)Kein WohnenBegegnungsangeboteKeine
Mögliche Schwierigkeiten

Nicht jedes Projekt hält, was es verspricht. Häufig hängt das Gelingen von der Moderation und vom Engagement der Bewohner ab. Folgende Punkte sollten vor dem Einzug offen angesprochen werden, um Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden.

  • Fehlende oder nur befristet finanzierte Moderation
  • Lärm durch Kinder und unterschiedliche Tagesrhythmen
  • Hohe Fluktuation bei Studierenden
  • Keine Lösung für späteren Pflegebedarf
  • Gemeinschaftsräume, die kaum genutzt werden

Muss man sich aktiv beteiligen?

Eine Pflicht besteht meist nicht, doch die meisten Projekte erwarten eine grundsätzliche Bereitschaft zur Teilnahme. Wer sich völlig zurückzieht, profitiert wenig vom Konzept. Ein ehrliches Gespräch mit dem Moderator vor dem Einzug klärt die gegenseitigen Erwartungen frühzeitig.

Gibt es solche Residenzen auch für Wohneigentum?

Einige private Projekte in Frankreich verkaufen Wohnungen an Senioren und junge Familien gleichermaßen. Häufiger sind jedoch Mietmodelle im sozialen Wohnungsbau. Beim Kauf sollte geprüft werden, wie Moderation und Gemeinschaftsräume langfristig finanziert werden und wer darüber entscheidet.

Können Senioren mit Pflegegrad einziehen?

Ein Einzug ist möglich, solange die Pflege durch ambulante Dienste gesichert ist und die Wohnung barrierefrei ausgestattet ist. Ein deutscher Pflegegrad wird in Frankreich jedoch nicht übernommen, dort entscheidet eine neue Einschätzung nach dem GIR-System.

Wie lange darf man bleiben?

Mietverträge in französischen Mehrgenerationenresidenzen sind in der Regel unbefristet, sofern die allgemeinen Regeln des Mietrechts eingehalten werden. Einige Projekte sehen für Studierende befristete Verträge vor. Für Senioren ist ein langfristiger Verbleib ausdrücklich vorgesehen und erwünscht.

Quellen und Organisationen